5 Jahre Hundertwasser-Schule - Rede des Schulleiters zur Einweihung

Die ersten 5 Jahre von 2002-2007

Von der Schule für Erziehungshilfe des Kreises Gütersloh zur Hundertwasser-Schule, Förderschule der Stadt Gütersloh mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
Zu Beginn des Schuljahres 2002/2003 wurde die Hundertwasser-Schule als Schule für Erziehungshilfe des Kreises Gütersloh im Primarstufenbereich gegründet. Der Einzugsbereich der Schule wurde festgeschrieben auf das Gebiet der Stadt Gütersloh.
Damit reagierte der Kreis Gütersloh im Rahmen seiner Schulentwicklungsplanung auf den seit Jahren die vorhandene Kapazität übersteigenden Bedarf an Plätzen für Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Die neue Schule für Erziehungshilfe sollte dabei - einem modernen Verständnis von Sonderpädagogik entsprechend - von Anfang an über den Bereich einer Stammschule hinaus auch Schülerinnen und Schüler an Grundschulen betreuen und die Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen im Umgang mit Erziehungsproblemen unterstützen.

Der Aufbau dieser Schule vollzog sich unter deutlich eingeschränkten Bedingungen, die zumindest teilweise aber auch dazu beitrugen, dass sich die Schule langsam und damit kontinuierlich und behutsam entwickeln konnte. Dabei konnten wir uns immer auf die Unterstützung durch unsere Schulaufsicht verlassen. Das war wesentlich und nicht selbstverständlich.
Am 01.08.2002 nahm die neue Schule für Erziehungshilfe ihren Betrieb in 4 Räumen der Edith-Stein-Schule auf. 5 Schüler wurden zum Schuljahresbeginn eingeschult - zusammen mit einer Sekretärin, einer Lehrerin für Sonderpädagogik und dem Schulleiter. Das Schulbüro war gleichzeitig Sekretariat, Schulleiterzimmer, Lehrer- und Elternsprechzimmer. In diesem Büro waren sich alle sehr nah und auch die Schüler mit ihren Anliegen – meist mit der Bitte um ein Pflaster, ein Taschentuch oder einen Tee gegen Bauchschmerzen – gingen dort ein und aus. Jedes halbe Jahr kamen ein paar Schüler hinzu und dementsprechend auch eine Lehrerin oder ein Lehrer.
Unter diesen Bedingungen konnte manche schwierige Entscheidung mit sehr kurzer Vorlaufzeit getroffen werden. Die Möglichkeit mit einem Jahr Verspätung an dem Modellversuch „Selbstständige Schule“ teilnehmen zu können war eine solche Entscheidung und sie war ein Glücksfall für die Schulentwicklung dieser Schule.

Selbstständige Schule zu sein – von Anfang an mit vielen Freiräumen und externer Unterstützung systematisch Schulentwicklung betreiben zu können, hat uns in der Entwicklung unserer Schule weit gebracht. Wertvoll waren und sind für uns dabei vor allem die verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen des Kollegiums, die zeitliche Ressource für Schulent-wicklungsarbeit sowie die finanziellen Möglichkeiten, mit kapitalisierten Geldern externe Unterstützung für unsere Arbeit an den Entwicklungsschwerpunkten der Schule einkaufen zu können.

Nach einer zweijährigen Anfangszeit stand dann der erste Umzug ins Haus: in das Provisorium neben der Anne-Frank-Gesamtschule. Schulersatzbau oder Container sind weniger freundliche Umschreibungen für den Ort, der für die folgenden drei Jahre Standort der Schule wurde. In den nun 4 Klassen wurden bis zu 35 Schülerinnen und Schüler beschult, dazu kamen bis zu 12 Schülerinnen und Schüler an Grundschulen. Das Kollegium wuchs auf 10 Personen an. Auch das ein Glücksfall für unsere Schule: ein Kollegium von 10 Kolleginnen und Kollegen, die mit ganzer Kraft, viel Leistungs-bereitschaft und großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben. Trotzdem, vielleicht auch deswegen hat uns in dieser Zeit die Entwicklung unserer Schule an den Rand unserer Leistungsfähigkeit gebracht – uns oftmals auch überfordert: die Belastungen der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern, die einen zum Teil mehr als erheblichen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung aufweisen, sind manchmal nur sehr schwer zu tragen und unter erschwerten Rahmenbedingungen manchmal auch nicht mehr zu tragen.

In die Mitte dieser „Container-Zeit“ fiel die Namensgebung der Schule und der Schulträgerwechsel vom Kreis zur Stadt Gütersloh. Unsere Schule haben wir nach Friedensreich Hundertwasser Hundertwasser-Schule genannt. Sie wurde Städtische Förderschule. Auch dies ein Glücksfall, da die konzeptionelle Weiterentwicklung unserer Schule in Richtung Offene Ganztagsschule sich gut in das erfolgreiche Bemühen der Stadt Gütersloh einfügen konnte ein flächendeckendes Ganztagsangebot im gesamten Grundschulbereich zu schaffen. Dass die Stadt Gütersloh ein innovativer Schulträger mit viel Offenheit für Ideen aus der Schule selbst ist, zeigt darüber hinaus die Umsetzung dieses Offenen Ganztags als ein Kooperationsprojekt der beiden Fachbereiche Schule und Jugend. Das bundesweit in dieser Form einmalige Projekt führte zu einem Offenen Ganztag mit sozialpädagogischem Schwerpunkt, das die Hundertwasser-Schule gemeinsam mit dem Sozialpädagogischen und Psychomotorischen Institut (SPI) in den folgenden 3 Jahren modellhaft erprobt.

Auch diese Zusammenarbeit zwischen Schule und SPI ist ein Glücksfall. Doch wie es mit Glücksfällen so ist, fallen diese nicht etwa vom Himmel, sondern es kommt darauf an, in entscheidenden Momenten Ideen, Personen und Umsetzungsmöglichkeiten miteinander zu kombinieren und zu verknüpfen. In diesem Sinne war es unser Glück, dass die Bürgermeisterin der Stadt Gütersloh auf der Suche nach einem dauerhaften Standort für die Hundertwasser-Schule unsere Schule mit dem SPI zusammenbrachte, das ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Standort war.
Im Ergebnis werden zukünftig die Hundertwasser-Schule und das neu entstehende Förderzentrum des SPI ihre Synergie-effekte nutzend neben- und miteinander auf einem gemeinsamen Gelände der Stadt Gütersloh ihre Arbeit tun.

An diesem neuen Standort hat die Hundertwasser-Schule mit Beginn des neuen Schuljahres 2007/2008 nun ihre Heimat gefunden. Auch eine Schule – respektive die Menschen, die in ihr leben und arbeiten, brauchen einen solchen Ort. Dabei muss es ein Ort sein, der durch seine Gestaltung und Ausgestaltung Schule zu einem wirklichen Lern- und Lebensort macht. Das dies hier an der Hundertwasser-Schule gelungen ist, hat wiederum mit einem Glücksfall zu tun – dem Glücksfall nämlich, dass der für den Um- und Neubau verantwortliche Architekt seine Planung so deutlich an den Bedürfnissen der Kinder und Erwachsenen orientiert hat, die in dieser Schule leben und arbeiten sollen und so auf seine eigene Weise dazu beitrug im Sinne Hundertwassers „glückliche Räume“ zu schaffen.

5 Jahre Hundertwasser-Schule – 5 Jahre systematische Schulentwicklung
Wir sind weit gekommen in dieser Zeit.

Es hat sich eine Förderschule etabliert, die als Offene Ganztagsschule mit sozialpädagogischem Schwerpunkt die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung auf zweifache Weise organisiert und durchführt:

  1. als Intensive Förderung durch besondere Angebote in der Stammschule
  2. als Begleitende Förderung durch unterstützende Angebote an den Grundschulen der Stadt

Auf diese Weise fördert die Hundertwasser-Schule mit einem Team bestehend aus Lehrerinnen, Lehrern, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in Kooperation mit den Grundschulen der Stadt Gütersloh und der dazugehörigen Schulaufsicht sowie mit Unterstützung des Fachbereichs Jugend zur Zeit fast 70 Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Mit ihren Leistungs- und Unterstützungsangeboten gerade auch im Rahmen von Beratung ist die Hundertwasser-Schule dabei ein wichtiger Kooperationspartner vor allem für die Grundschulen der Stadt Gütersloh geworden.

Von hier aus bis zu einem Kompetenzzentrum sonderpädagogischer Förderung in der Stadt Gütersloh ist der Weg nicht nur nicht mehr weit, sondern sehr nahe liegend.