Tiergestützte Pädagogik mit Hunden



 

Spielzeit mit Caspar – Hundegestützte Entwicklungsbegleitung als pädagogisches Förderangebot (HuEpF)

 

Es ist Nachmittag an der Hundertwasserschule. Viele der Kinder begeben sich auf den Weg zu ihren IFs. Darunter auch vier völlig unterschiedliche Kinder, die doch eine Gemeinsamkeit haben: Sie alle vereint die Vorfreude auf eine tierische Begegnung der besonderen Art, denn gleich werden sie wieder eine Stunde mit dem Schulhund Caspar verbringen.

     

Jedes Kind hat seine eigene Geschichte, bringt seine ganz eigenen Talente und Fähigkeiten mit. Doch in dieser einen Stunde an einem Nachmittag der Woche sind sie alle gleich.
Caspar, der immer fröhliche Zwergpudel, macht keine Unterschiede, hat keine Vorurteile. Er begrüßt jedes Kind gleichermaßen freundlich und freut sich über jede liebevolle Zuwendung. Geht ein Kind doch einmal etwas zu forsch auf ihn zu, weicht er kurz zurück. Aber gleich darauf bekommt das Kind noch eine Chance, es anders – langsamer – zu versuchen. Caspar schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit, nimmt freudig schwanzwedelnd, aber ganz vorsichtig das Leckerli aus der Kinderhand entgegen und zaubert so dem Kind ein Lächeln ins Gesicht.

 

Ein lebhaftes, aufgewecktes Kind, dem es oft schwer fällt, sich zu konzentrieren, das voller Energie steckt und diese nur schwer zügeln kann, das immer in Bewegung ist und kaum stillsitzen kann, wächst über sich hinaus, wenn es die Aufgabe hat, aufzupassen, dass Caspar nicht von seinem Platz aufsteht. Denn dann wird es ganz ruhig. Wenn das Kind mit erhobenem Zeigefinger und einem deutlich ausgesprochenem „Sitz!“ Caspar dazu bringt, sich vor ihn zu setzen, damit er ihm seine Pfote in die Hand legt, ist es ganz bei der Sache.Zusammen mit Caspar gelingt ein rasanter Slalom-lauf ebenso gut wie ein paar Minuten auf der Decke entspannen oder ganz ruhig liegen bleiben, um Caspars Pfoten auf dem Rücken spüren zu können.

 

Ein Kind, das gerne, viel und auch laut redet, dem es nicht leicht fällt, ruhig zuzuhören und abzuwarten, bis es an der Reihe ist, entdeckt neue Seiten und Fähigkeiten an sich. Denn für Caspar übt es sich gerne in Geduld, bemüht sich, die Lautstärke seiner Stimme gering zu halten und weist auch Mitschüler daraufhin, wenn es zu laut wird, weil es Caspar sonst ja so in seinen Ohren weh tut.

 

Ein Kind, das schnell frustriert ist, Kritik nicht gut ertragen kann, sich nur schwer auf andere einlassen kann und im Kontakt mit anderen häufig aneckt, übersteigt selbst eigene Erwartungen.Zusammen mit Caspar ist es nicht schlimm, Fehler zu machen – mit ihm macht auch der zweite und dritte Versuch einer Übung noch genauso viel Spaß wie der erste. Und mit der Hilfe anderer Kinder wird spielend leicht auch der kniffligste Parcours bewältigt.

 

Kinder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sitzen in einem Halbkreis und ziehen alle an einem Strang, wenn es darum geht, das Leckerli auf eine Schnur zu fädeln und es so schnell wie möglich an das andere Ende der Schnur von Kind zu Kind weiter zu reichen. Beim letzten Kind wartet schon ganz gespannt Caspar, der den Verlauf des Leckerlis zur Freude der Kinder genau verfolgt hat. Er weiß, dass er warten muss, bis das Kind am Ende der Schnur ihn ruft. Dann fliegt das Leckerli hoch und Caspar springt, um es noch in der Luft zu erwischen.

 


Pädagogische Begleithunde in der STB

Einmal in der Woche, immer mittwochs, begleitet Hündin Lykke die Kinder durch den Tag. An einem anderen Tag in der Woche (Dienstag) ist Caspar mit in der Schule. Er kommt in der Regel jedoch erst zu den Hausaufgaben dazu und wartet so lange in einem separaten Ruheraum.

 

Während der ersten Spielzeit bewegt Lykke sich frei im Gruppenraum, schaut mal hier, mal da vorbei und freut sich über gelegentliche Streicheleinheiten. Da die Kinder angewiesen sind, Lykke nicht unaufgefordert zu rufen, sondern zu warten bis sie zu ihnen kommt, freuen sie sich über jeden kleinen Stupser als Aufforderung zum Streicheln. Lykke hat jederzeit die Möglichkeit sich in ihre Ruhebox zurückzuziehen. Wenn sie das tut, müssen die Kinder das respektieren, Abstand halten und auf eine ruhige Lautstärke im Raum achten.

Die Mittagszeit verbringt Lykke in ihrer geschlossenen Box im Gruppenraum.

Im Anschluss an das Mittagessen begleitet Lykke ihre Besitzerin und vier Kinder zur „Vorlese-Zeit“, wo sie ihre Ruhephase auf ihrer Decke fortsetzen und so den Kindern auch zur Entspannung verhelfen kann – gelegentliches Streicheln und Kuscheln ist hier erlaubt.


 

In der Hausaufgaben-Zeit haben die Kinder die Möglichkeit, sich Leckerlis zu erarbeiten, die sie nach ordentlicher Erledigung der Hausaufgaben verfüttern dürfen. Das motiviert die Kinder zu mehr Konzentration ebenso wie die Anweisung, leise und ruhig zu sein, damit der Hund noch ein bisschen ruhen kann. Nach erfolgreichem Training des Hundes besteht außerdem die Möglichkeit, den Hund z.B. kleine Rechenaufgaben auf Kärtchen apportieren zu lassen.

 In der Spielzeit werden entweder mit einer festen Kindergruppe im Rahmen eines Angebots der Interessenorientierten Förderung Aktionen mit dem Hund angeboten (HuEpF mit Caspar) oder als freies Angebot mit einer kleinen Anzahl von Kindern Hundespiele gespielt – sowohl zusammen mit Hündin Lykke als auch ohne sie Spiele zum Thema Hund wie z.B. ein Puzzle oder ein Quiz.

Während der Abschlussrunde befindet sich Lykke entweder in ihrer Box oder liegend im Raum. Caspar hat in der Zeit schon frei und wartet wieder im Ruheraum auf seinen wohlverdienten Feierabendspaziergang und das gemeinsame Toben mit Lykke.

 


 

 

Uhrzeit

 

 

Tagesordnungspunkt

 

 

Aktionen

 

12:00 – 13:00

 

 

Freispiel

freie Interaktionen; ggf. Bewegung / Spaziergang im Schulgarten

 

13:00 – 13:30

 

 

Mittagessen

Ruhephase für den Hund (in der Box / im Ruheraum)

 

13:30 – 13:45

 

„Leise-Zeit“ / „Vorlese-Zeit“ / Freispiel

Ruhephase für den Hund; ggf. Entspannung / Streicheln / Kuscheln / Lesen / Phantasiereise mit Hund

 

13:45 – 14:45

 

 

Hausaufgaben

Leckerlis „sammeln“; ggf. kleine Apportierübungen

 

14:45 – 15:45

 

 

Freispiel / IF

gezielte, angeleitete (Inter-) Aktionen mit dem Hund; HuEpF

 

15:45 – 16:00

 

 

Abschlussrunde

Ruhephase für den Hund (in der Box / im Ruheraum); ggf. passive Anwesenheit


 

 

Ziele der Hundegestützten Pädagogik

 

in der Theorie

in der Praxis

 

à individuell, ganzheitlich und spielerisch fördern

 

à Förderung von:

-       sozialen Regeln wie rücksichtsvolles, empathisches Verhalten

-       Fähigkeiten und Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstkontrolle, Verantwortungsübernahme

-       Selbstwahrnehmung / Bewusstsein der Körpersprache

-       Sinneswahrnehmung

-       Kreativität

-       Aufmerksamkeit und Konzentration

-       Bewegung / körperlicher Aktivität; Grob- und Feinmotorik

-       Natur- und Umweltbewusstsein

 

à Verhaltensregeln im Umgang mit Hunden erlernen sowie Wissensaneignung über

das Lebewesen Hund (u.a. zur Prävention von Beißunfällen / zum Abbau von

Ängsten)

 

 

à Aufführung mit Hund(en)

-       z.B. gemeinsames Theaterprojekt oder

-       eine Zirkusaufführung mit kleinen Tricks

 

à „Der kleine Hundeführerschein“

 

à sportliche Wettkämpfe

-       Parcours

-       Geschicklichkeit

-       Schnelligkeit

-       Ball- und Wurfspiele

 

à Kreativwettbewerbe

-       Malen / Basteln

-       Ausstellung / Präsentation der besten Werke

-       Foto-Collage erstellen

 

à Spaziergänge / Ausflüge mit Hund(en)

 

à spezielle Angebote

-       „Lesen mit Hund“

-       „Sport mit Hund“

-       „Entspannung mit Hund“

.

 

 

Das Team

 

Charlotte Darga ist Diplom-Pädagogin und hat zusammen mit ihrem Hund Caspar eine Ausbildung in Theorie und Praxis absolviert. Darüber hinaus nimmt sie regelmäßig an Fortbildungen und Seminaren zum Themengebiet der Tiergestützten Intervention teil.

Das HuEpF-Konzept ist im Rahmen ihrer Diplomarbeit zum Thema Tiergestützte Pädagogik mit dem Hund entstanden.
Seit Juni 2011 ist sie mit ihrem Zwergpudel Caspar aktiv im Einsatz und seit August 2012 unterstützt die junge Großpudel-Hündin Lykke das Team.